Alle guten Dinge sind drei.
Ob sich dies bewahrheiten sollte, galt es herauszufinden auf der diesjährigen Orchesterfahrt des freien Jugend-Dirigier-Orchesters Berlin e.V.
Zum dritten Mal macht sich eine Gruppe abenteuerlustiger junger Musiker*innen auf in ein tollkühnes Abenteuer.
Es geht, wie die vergangenen 2 Jahre schon, nach Bülowssiege, wo die Jugendlichen eine Woche lang den "Gutshof der Romantik" bewohnen, üben, proben, Proben leiten, dirigieren und konzertieren dürfen.
Die Anreise der motivierten Musiker*innen verläuft dieses Jahr wie geschmiert: Der Rufbus kommt pünktlich und auch der Instrumenten-/ Essenstransporter erreicht sein Ziel zeitlich exakt.
Steigt man aus dem Auto merkt man sofort, dass dies kein gewöhnliches Orchesterprojekt ist. Keine Betreuer*innen, die einen auf irgendeiner Liste abhaken müssen, kein peinliches Nebeneinanderstehen und Anschweigen. Man betritt sogleich ein geschäftiges Treiben: Die ersten Zelte werden aufgebaut, Instrumente werden ausgeräumt, Stühle werden geschleppt und gerückt, neue und alte bekannte Gesichter werden herzlich begrüßt.
Nach einem ausgiebigen Auspack-, Kennlern-, und Badenachmittag geht es ans Eingemachte: Die erste Probe steht an. Es wird sofort klar, dass das diesjährige Programm nicht zu unterschätzen ist.
Die 1. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und Carl Maria von Webers Ouvertüre zur Oper "Freischütz", das sind berühmt berüchtigte Werke, die viele schon oft gehört haben und gut kennen, doch das dritte Stück der diesjährigen Arbeitsphase ist mal etwas Anderes:
Ein Dachbodenfund beförderte vor wenigen Jahren das Manuskript eines Werkes zutage, das extra für unser Orchester nachbearbeitet und digitalisiert worden ist: Das "Hermannstal" von Helmut Scharf. Ob und wie das in den ca. 1930er Jahren geschriebene Stück bereits aufgeführt wurde, ist nicht bekannt, und auch über den Komponisten weiß man nur recht wenig. Umso spannender war es für das Orchester sich dieser Herausforderung zu stellen. Denn was im "Hermannstal" so alles lauert, das kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand so wirklich gut einschätzen.
"Bruckner 4 Medley" oder "mahlerartig" hört man Kommentare aus hinteren Reihen, doch wie sich das Werk und dessen Interpretation im Laufe der Woche entwickeln wird, bleibt offen.
Am Morgen nach der ersten Nacht variiert die Stimmung ein wenig. Einige haben den prasselnden Regen in der Nacht genossen und konnten wunderbar schlafen, andere hatten nicht ganz so viel Glück und mussten sich nachts möglichst lautlos, um niemanden zu wecken, mit Handtüchern, Töpfen und Klebeband gegen das ins Zelt eindringende Nass zur Wehr setzen. Doch als sich die Sonne zum gemeinsamen Frühstück blicken lässt und man sich an den frischen Johannisbeeren bedient, verfliegen die nächtlichen Strapazen schnell und es kehrt die Ausgelassenheit zurück.
Neben den vielfältigen künstlerischen Herausforderungen der Musik kommen auf die Teilnehmenden des Projektes auch andere Aufgaben zu, das 37-köpfige Orchester will schließlich versorgt werden:
Es wird fleißig geschnippelt, gebraten, gekocht, gebacken und das alles zusätzlich zu den normalen Probenzeiten, wobei nach Bedarf auch mal eine Probe verkürzt wird ;).
Die in ihren Mitgliedern flexible Küchenbesatzung hat im Vergleich zum letzten Jahr deutlich an Professionalität dazugewonnen, nicht zuletzt durch die Anschaffung einer extra Kochplatte, zwei großer 15-Liter-Kochtöpfe inklusive Kochbesteck, eine Vielzahl sehr sehr sehr scharfer Messer in allen Größen, Farben und Formen und einem minutiös ausgetüftelten Essensplan.
Und glauben Sie mir, liebe Leser*innnen, wenn ich Ihnen sage: Wir haben sehr sehr gut gegessen und dazu alles vegetarisch.
So vergehen diese sieben Tage, was übrigens eine außergewöhnlich lange Zeit für eine Orchesterfahrt ist, erstaulich schnell und vor lauter Proben, Üben, Kochen, Tischtennis, Spikeball oder Kartenspielen merkt man kaum, wie schnell die Zeit vergeht.
Und trotzdem wird die Zeit sinnvoll genutzt. Es wird viel geprobt, fast alle Mitglieder*innen des Orchesters stehen selbst einmal, viele mehrmals, vorne, dirigieren und leiten Proben. Die Stücke entwickeln sich gut und doch wird vielen bewusst, dass jede Probe wichtig sein wird, um am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis präsentieren zu können. Und gleichzeitig ist auch der Raum da zum Ausprobieren, zum Explorieren des Gefühls, vorne zu stehen, ein Orchester zu leiten und was es bedeutet, diese Verantwortung der Rolle der dirigierenden Person auf sich zu nehmen. Die Vorkenntnisse der vorne stehenden Musiker*innen könnten dabei kaum unterschiedlicher sein, von wenig bis keine Vorerfahrungen bis zum Ziel des Dirigierstudiums ist alles dabei, was vom Orchester viel Anpassungsfähigkeit fordert.
Besonders interessant finde ich die enorme Entwicklung, die das "Hermannstal" innerhalb dieser Woche mit dem Orchester durchlebt. Das anfangs vielleicht noch etwas zäh und fad empfundene Stück entwickelt sich zu einer lebendigen Musik, die viele zu lieben und schätzen lernen.
Und ehe man sich versieht ist es schon Freitag und das Konzert in Bülowssiege steht an. Im Vorfeld wurde in den Umliegenden Ortschaften viel Werbearbeit betrieben, Flyer verteilt, Plakate aufgehangen, doch ob es am Ende reicht, die Konzertscheune zu füllen, das ist jedes Mal mal aufs Neue ungewiss.
Nach einer letzten traditionellen Konzentrationsübung in der an die Zeltwiese anschließenden Senke ist die Erleichterung und auch Aufregung daher groß, als wir feststellen, dass die Zuschauerreihen prall gefüllt sind. Noch einmal durchatmen und -stimmen - und schon kann es losgehen.
Ein erfolgreiches und noch wichtiger ein freudenvolles Konzert später fallen sich die Orchestermitglieder*innen erleichtert in die Arme. Die Stimmung ist ausgelassen, vor allem, als kurzentschlossen eine kleine Blasmusik, bestehend aus einigen Orchestermitgliedern, vor der Kulturscheune aufspielt. Es wird gelacht und getanzt, anschließend erfolgt das mittlerweile schon zur Tradition gewordene Abendessen mit unseren Herbergseltern und deren Familie.
Am Samstagmorgen ist jede helfende Hand gefragt, es muss geputzt, geräumt und abgebaut werden. Alle Aufgaben werden verteilt und da alle an einem Strang ziehen, ist auch ziemlich schnell alles erledigt. Viele Hände, schnelles Ende! Und schon bald geht es für alle wieder Richtung Bundeshauptstadt.
Das diesjährige Konzert in Berlin fand in der Emmaus-Kirche am Lausitzer-Platz statt.
Während sich Backstage noch über Muffins gefreut wird, strömen die Zuschauer*innen bereits in die Kirche. Es müssen sogar noch Stuhlreihen dazugestellt werden, um dem Andrang an Publikum gerecht zu werden.
Ein ganz besonderer Gast ist der Sohn des Komponisten Helmut Scharf, dessen "Hermannstal" an diesem Tag vermutlich zum zweiten Mal aufgeführt wird.
Besonders erfreulich ist, dass das Orchester dieses Jahr in einer Kirche spielen darf, in der die Akustik weniger als 8 Sekunden Nachhall bietet.
Und so spielt das JDO Berlin auch dieses Jahr wieder ein herausragendes Konzert in Berlin und begeistert das Publikum mit Musik und Spielfreude.
Zum dritten Mal macht sich eine Gruppe abenteuerlustiger junger Musiker*innen auf in ein tollkühnes Abenteuer.
Es geht, wie die vergangenen 2 Jahre schon, nach Bülowssiege, wo die Jugendlichen eine Woche lang den "Gutshof der Romantik" bewohnen, üben, proben, Proben leiten, dirigieren und konzertieren dürfen.
Die Anreise der motivierten Musiker*innen verläuft dieses Jahr wie geschmiert: Der Rufbus kommt pünktlich und auch der Instrumenten-/ Essenstransporter erreicht sein Ziel zeitlich exakt.
Steigt man aus dem Auto merkt man sofort, dass dies kein gewöhnliches Orchesterprojekt ist. Keine Betreuer*innen, die einen auf irgendeiner Liste abhaken müssen, kein peinliches Nebeneinanderstehen und Anschweigen. Man betritt sogleich ein geschäftiges Treiben: Die ersten Zelte werden aufgebaut, Instrumente werden ausgeräumt, Stühle werden geschleppt und gerückt, neue und alte bekannte Gesichter werden herzlich begrüßt.
Nach einem ausgiebigen Auspack-, Kennlern-, und Badenachmittag geht es ans Eingemachte: Die erste Probe steht an. Es wird sofort klar, dass das diesjährige Programm nicht zu unterschätzen ist.
Die 1. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und Carl Maria von Webers Ouvertüre zur Oper "Freischütz", das sind berühmt berüchtigte Werke, die viele schon oft gehört haben und gut kennen, doch das dritte Stück der diesjährigen Arbeitsphase ist mal etwas Anderes:
Ein Dachbodenfund beförderte vor wenigen Jahren das Manuskript eines Werkes zutage, das extra für unser Orchester nachbearbeitet und digitalisiert worden ist: Das "Hermannstal" von Helmut Scharf. Ob und wie das in den ca. 1930er Jahren geschriebene Stück bereits aufgeführt wurde, ist nicht bekannt, und auch über den Komponisten weiß man nur recht wenig. Umso spannender war es für das Orchester sich dieser Herausforderung zu stellen. Denn was im "Hermannstal" so alles lauert, das kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand so wirklich gut einschätzen.
"Bruckner 4 Medley" oder "mahlerartig" hört man Kommentare aus hinteren Reihen, doch wie sich das Werk und dessen Interpretation im Laufe der Woche entwickeln wird, bleibt offen.
Am Morgen nach der ersten Nacht variiert die Stimmung ein wenig. Einige haben den prasselnden Regen in der Nacht genossen und konnten wunderbar schlafen, andere hatten nicht ganz so viel Glück und mussten sich nachts möglichst lautlos, um niemanden zu wecken, mit Handtüchern, Töpfen und Klebeband gegen das ins Zelt eindringende Nass zur Wehr setzen. Doch als sich die Sonne zum gemeinsamen Frühstück blicken lässt und man sich an den frischen Johannisbeeren bedient, verfliegen die nächtlichen Strapazen schnell und es kehrt die Ausgelassenheit zurück.
Neben den vielfältigen künstlerischen Herausforderungen der Musik kommen auf die Teilnehmenden des Projektes auch andere Aufgaben zu, das 37-köpfige Orchester will schließlich versorgt werden:
Es wird fleißig geschnippelt, gebraten, gekocht, gebacken und das alles zusätzlich zu den normalen Probenzeiten, wobei nach Bedarf auch mal eine Probe verkürzt wird ;).
Die in ihren Mitgliedern flexible Küchenbesatzung hat im Vergleich zum letzten Jahr deutlich an Professionalität dazugewonnen, nicht zuletzt durch die Anschaffung einer extra Kochplatte, zwei großer 15-Liter-Kochtöpfe inklusive Kochbesteck, eine Vielzahl sehr sehr sehr scharfer Messer in allen Größen, Farben und Formen und einem minutiös ausgetüftelten Essensplan.
Und glauben Sie mir, liebe Leser*innnen, wenn ich Ihnen sage: Wir haben sehr sehr gut gegessen und dazu alles vegetarisch.
So vergehen diese sieben Tage, was übrigens eine außergewöhnlich lange Zeit für eine Orchesterfahrt ist, erstaulich schnell und vor lauter Proben, Üben, Kochen, Tischtennis, Spikeball oder Kartenspielen merkt man kaum, wie schnell die Zeit vergeht.
Und trotzdem wird die Zeit sinnvoll genutzt. Es wird viel geprobt, fast alle Mitglieder*innen des Orchesters stehen selbst einmal, viele mehrmals, vorne, dirigieren und leiten Proben. Die Stücke entwickeln sich gut und doch wird vielen bewusst, dass jede Probe wichtig sein wird, um am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis präsentieren zu können. Und gleichzeitig ist auch der Raum da zum Ausprobieren, zum Explorieren des Gefühls, vorne zu stehen, ein Orchester zu leiten und was es bedeutet, diese Verantwortung der Rolle der dirigierenden Person auf sich zu nehmen. Die Vorkenntnisse der vorne stehenden Musiker*innen könnten dabei kaum unterschiedlicher sein, von wenig bis keine Vorerfahrungen bis zum Ziel des Dirigierstudiums ist alles dabei, was vom Orchester viel Anpassungsfähigkeit fordert.
Besonders interessant finde ich die enorme Entwicklung, die das "Hermannstal" innerhalb dieser Woche mit dem Orchester durchlebt. Das anfangs vielleicht noch etwas zäh und fad empfundene Stück entwickelt sich zu einer lebendigen Musik, die viele zu lieben und schätzen lernen.
Und ehe man sich versieht ist es schon Freitag und das Konzert in Bülowssiege steht an. Im Vorfeld wurde in den Umliegenden Ortschaften viel Werbearbeit betrieben, Flyer verteilt, Plakate aufgehangen, doch ob es am Ende reicht, die Konzertscheune zu füllen, das ist jedes Mal mal aufs Neue ungewiss.
Nach einer letzten traditionellen Konzentrationsübung in der an die Zeltwiese anschließenden Senke ist die Erleichterung und auch Aufregung daher groß, als wir feststellen, dass die Zuschauerreihen prall gefüllt sind. Noch einmal durchatmen und -stimmen - und schon kann es losgehen.
Ein erfolgreiches und noch wichtiger ein freudenvolles Konzert später fallen sich die Orchestermitglieder*innen erleichtert in die Arme. Die Stimmung ist ausgelassen, vor allem, als kurzentschlossen eine kleine Blasmusik, bestehend aus einigen Orchestermitgliedern, vor der Kulturscheune aufspielt. Es wird gelacht und getanzt, anschließend erfolgt das mittlerweile schon zur Tradition gewordene Abendessen mit unseren Herbergseltern und deren Familie.
Am Samstagmorgen ist jede helfende Hand gefragt, es muss geputzt, geräumt und abgebaut werden. Alle Aufgaben werden verteilt und da alle an einem Strang ziehen, ist auch ziemlich schnell alles erledigt. Viele Hände, schnelles Ende! Und schon bald geht es für alle wieder Richtung Bundeshauptstadt.
Das diesjährige Konzert in Berlin fand in der Emmaus-Kirche am Lausitzer-Platz statt.
Während sich Backstage noch über Muffins gefreut wird, strömen die Zuschauer*innen bereits in die Kirche. Es müssen sogar noch Stuhlreihen dazugestellt werden, um dem Andrang an Publikum gerecht zu werden.
Ein ganz besonderer Gast ist der Sohn des Komponisten Helmut Scharf, dessen "Hermannstal" an diesem Tag vermutlich zum zweiten Mal aufgeführt wird.
Besonders erfreulich ist, dass das Orchester dieses Jahr in einer Kirche spielen darf, in der die Akustik weniger als 8 Sekunden Nachhall bietet.
Und so spielt das JDO Berlin auch dieses Jahr wieder ein herausragendes Konzert in Berlin und begeistert das Publikum mit Musik und Spielfreude.
Ein Bericht von Emil Scheib (Tuba)